Vortrag über den richtigen Umgang mit dem Verlustschmerz
(ot). "Nun bist du fort, und nichts auf dieser Welt bringt dich zurück", sang Bernhard Kuhl, Leiter der christlichen Beratungsstelle Mücke, und leitete mit den Worten des christlichen Liedermachers Jürgen Werth seinen Vortrag "Trauer - ein vergessenes Gut" ein. Vortrag und ein zweigängiges Abendessen bildeten die zentralen Punkte der Abendveranstaltung "ma(h)l zeit haben...", zu der das Team der Evangelischen Stadtmission Lauterbach ins "Posthotel Johannesberg" eingeladen hatte.
Kuhls Referat basierte auf dem gleichnamigen Buch von Verena Kast, Professorin für Psychologie an der Universität Zürich. Darin werden die vier wichtigen Phasen des Trauerns beschrieben, die notwendig sind, um zurück ins Leben zu finden. Vorab sprach Dieter Staebe die Begrüßungsworte und kündigte die künstlerischen Gäste, Heinz-Günter und Samuel Maaser aus Schadges, an. Mit zwei Liedbeiträgen gestaltete das Duett, Vater und Sohn, den Abend musikalisch.
Das Thema Tod zählt in der westlichen Welt zu den großen Tabus. Infolgedessen ist auch Trauer zum Tabu geworden. Fakt ist: Menschen, die nicht richtig trauern können und dürfen, werden oft Opfer von psychosomatischen Erkrankungen. "Reiß dich zusammen", ist der falsche Satz, der im Zusammenhang mit dem Verlust eines Menschen einhergehen kann, berichtete der 53-jährige Referent aus beruflicher Erfahrung.
Häufig kommen Menschen zum Lebens- und Eheberater, die mit einem Verlustschmerz nicht umgehen können. "Trauer darf weder unterdrückt noch verdrängt oder ausgeklammert werden", verdeutlichte er. Um zurück ins Leben zu finden, seien vier Phasen notwendig. Erste Phase: Nicht-Wahrhaben-Wollen. Zweite Phase: Aufbrechende Emotionen. Dritte Phase: Suchen, finden, sich trennen. Vierte Phase: Neuer Selbst- und Weltbezug. Jede Situation wurde vom Redner eingehend erklärt und beschrieben. Ferner unterstützten Rituale den gesunden Trauerprozess. Hierzu zählt zum Beispiel der Leichenschmaus oder die Kranzniederlegung auf die Gräber.
Trauer sei so individuell wie der Mensch. Deswegen sollte man Trauernden nicht mit "guten" Ratschlägen, sondern mit Einfühlung begegnen, ihnen einfach zur Seite stehen. Oft helfen bereits schon Anwesenheit und Zuhören.
Trauern könne man nicht schön reden. Auch der Glaube an Gott sei im Trauerfall kein Allheilmittel. Bleibe die Frage: Kommen gläubige Menschen, die an die Auferstehung der Toten glauben, leichter über den Verlust eines Menschen hinweg? "Wer an Gott und Jesus glaubt, für den leuchtet das Licht am Horizont ein Stück heller", fügte Bernhard Kuhl abschließend hinzu.




