Konflikte in der Ehe PDF Drucken

Wann sollte ein Seelsorger/Prediger oder jemand aus der Gemeindeleitung auf ein Paar zugehen, um offensichtliche Konflikte anzusprechen?  

Lieber zu früh, als zu spät! Aufgrund falscher Rücksichtnahme wird eher zu lange mit einer klaren und freundlichen Nachfrage gewartet. Zum einen ist man unsicher, ob die Beobachtung überhaupt stimmt, zum anderen weiß ja jeder um seine eigenen Schwächen. Deshalb gebietet es die Demut, dass man eher zurückhaltend ist (vgl. Jesu Rede vom Splitter und Balken …). Manche Ehe hätte aber gerettet werden können, wenn man früher eine Gesprächsplattform angeboten hätte. Wie so ein „liebevoll kritisches“ Nachfragen ankommt, hängt auch von der allgemeinen Gesprächskultur in einer Gemeinde ab. Wenn Prediger und Gemeindeleitung grundsätzlich nur Interesse an Menschen zeigen, wenn man sie ermahnen muss, dann wirkt so ein Nachfragen schnell wie ein anmaßender Übergriff. Deshalb plädiere ich für eine Kultur liebevoller Anteilnahme, in der es normal ist, dass man einander fragt, wie es dem andern geht - auch in seiner Ehe. Dann lassen sich auch Konflikte leichter ansprechen, ohne auf Widerstand zu stoßen. Dann kann man in seiner Beobachtung sogar mal falsch liegen, ohne dass es gleich peinlich wird. Wer sich für mein Wohl interessiert, der darf sich auch für meine Konflikte interessieren. Hilfreich ist auch, wenn sich Prediger und Gemeindeleitung in die eigenen „Ehekarten“ schauen lassen. Das allein schon öffnet Türen zum offenen Gespräch mit anderen.

 

Bernhard Kuhl

 

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